Das Vereinsemblem mit dem von Ludwig dem Baiern im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts der Stadt Weilheim verliehenem Wappen

 

Letzte Aktualisierung am
 17.07.2017
(23:00)

Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft
Weilheim
Schützenstraße 28    82362 Weilheim Tel.: 0881/5210
Email: FSG.Weilheim@t-online.de Home: http://www.FSG-Weilheim.de

Bolzschützengesellschaft

bei der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) Weilheim

Erste Darstellung der 1822 neu erbauten Schießstätte, 1823(Schützenmuseum Weilheim i. OB)

  Schießabende:  Dienstag und Donnerstag ab 19:00 Uhr   Jugend ab 18:00 Uhr  (Während der Ferien ab 19:00 Uhr)

Nun komme ich zum letzten Punkt unserer Zeitreise
 „Bolzschützengesellschaft und die heute noch bestehenden Schützengesellschaften“.

Die älteren Weilheimer kennen sicher noch die Bolzschützengesellschaft.

Die bei dem bürgerlichen Bierbrauer Ignaz Koller zu Weilheim im Jahre 1807 „errichtete“ Bolzschützengesellschaft bereicherte nahezu 150 Jahre lang das städtische Vereinsleben, bis sie sich im Jahre 1952 mit der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft vereinigte. Der Nachlass der Bolzschützen, auch als „Bolzerer“ bekannt, wird von den Feuerschützen betreut. Zahlreiche Exponate, drunter auch ein Bolzgewehr, einem Vorläufer des Luftgewehrs, ergänzen in hervorragender Weise die Ausstellung in der Schießstätte.

Das Weilheimer Schützenwesen ist natürlich nicht nur Schießstätte und Bolzschützen, sondern ist geprägt von einer Vielzahl von Gesellschaften.

Die nationale Euphorie, ausgelöst durch den gewonnenen Krieg 1871 gegen Frankreich, begünstigte, neben der Einführung des Zimmerstutzens, die Gründung von Schützengesellschaften. Fast jeder Gasthof beherbergte eine eigene Zimmerstutzengesellschaft. Dazu kommt noch, dass sich die Feuerschützen damals im Unterschied zu heute nicht nur privilegiert genannt haben, sondern sich auch so gebärdeten. So verwundert es nicht, dass erst im Jahr 1955 der erste Arbeiter, nämlich der Schorsch Rohmer, aufgenommen wurde. 1956 folgte Willi Prochaska.
Nun aber wieder zurück ins 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.
Da lesen wir von Zimmerstutzengesellschaften wie „Zu den drei Linden“, „Zu den drei Rosen“, „Schützenlust“, „Concordia“, „Tell“, „Obere Stadt“ usw. Geschossen wurde im Lokal Guttmann, beim Luckerbräu, in der Weißen Rose, beim Vollmann, in der Hofburg, im Bräuwastlkeller und beim Feyerabend.
Von 1925 bis wahrscheinlich 1936 gab es auch eine Zimmerstutzengesellschaft „Hubertus“. Im Gründungsprotokoll ist folgendes zu lesen: Die anwesenden Interessenten (es folgen 12 Namen) kamen nach reichlicher Aussprache zur Gründung einer Schützengesellschaft für die Liebhaber im südlichen Einwohnerwinkel beim Bachbräukeller.

Nun aber zu den neben der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft heute noch bestehenden Schützengesellschaften:
 

Schützengesellschaft „Frohsinn“ Weilheim

Die Frohsinn-Schützen sind, wie damals üblich, am 31. August 1904 als Zimmerstutzengesellschaft gegründet worden. Stadtarchivar Bernhard Wöll vermutet, dass es sich bei dieser Gründung um einen Zusammenschluss älterer, nicht mehr bestehender Zimmerstutzengesellschaften, wie „Zu den drei Rosen“ (gegr. 1879), „Zu den drei Linden“ (gegr. 1877) usw. handelt.Der Name „Frohsinn“ lässt auch die Vermutung zu, dass ein 1880 bestehender Geselligkeitsverein gleichen Namens in eine Zimmerstutzengesellschaft umgewandelt worden ist.

Wenn man die Chronik, die zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 2004 erstellt wurde, durchblättert, wird deutlich, daß neben dem Schießsport auch die Geselligkeit nie zu kurz gekommen ist.
Ein Zitat aus dem Protokollbuch 1938 von einem Ausflug zum Achensee:
„Wir lieferten hiermit den Beweis, daß unser Ausflug nicht eine sonst so gefürchtete Alkoholreise war, sondern wir erlebten den Tag im wonnigsten Naturgenuß, was beitragen sollte bei einer zukünftigen Fahrt zur restlosen Kameradenbeteiligung....“.
Und so ist es auch heute noch! Neben einem wohlgeordneten Schießbetrieb gehören die Ausflüge zum festen Bestandteil im Vereinsjahr der Schützengesellschaft „Frohsinn“ Weilheim.
 

Schützengesellschaft Weilheim

Nun kommen wir in das Jahr 1924.
Die furchtbare Inflation war überwunden und die wirtschaftliche Lage normalisierte sich zusehens. Trotz der bestehenden fünf Schützengesellschaften war offensichtlich noch Bedarf für einen weiteren Verein.
So wurde am 8. Oktober 1924 die „Zimmerstutzen-Schützen- Gesellschaft Weilheim“ gegründet, die heute noch als „Schützengesellschaft Weilheim“ besteht.
Ab Ende der 50er Jahre wird die Schützengesellschaft zu einem der erfolgreichsten Vereine, des im Jahr 1922 gegründeten Schützengaues Weilheim. So wurden z. B. beim Gauschießen 1960 in Penzberg alle zu vergebenden Einzel- und Mannschaftstitel gewonnen.
Die Erfahrungen, die der Büchsenmacher und Meisterschütze Edi Arzt (1972 tödlich verunglückt) und der in Murnau stationierte amerikanische Major Ben Curtis einbrachten, fielen also auf fruchtbaren Boden.
Die Pistolenschützen Klaus Becker, Josef Grünwald, Karl Vincenc und Franz Streif setzten ab dem Jahr 1967 zu wahren Höhenflügen an.
Aus der Chronik, die zum 80-jährigen Jubiläum im Jahr 2004 erschienen ist, können wir entnehmen: Ich zitiere:
„Auch die SG Weilheim blieb von einem weit verbreiteten Übel unserer Zeit nicht verschont, sie drohte zu überaltern. .....Das vorige Jahr (also 2003) brachte endlich die schon nicht mehr erhoffte Wende! Sieben junge Burschen schlossen sich der Schützengesellschaft an.“ Und so konnte die SG Weilheim gestärkt in ein neues Jahrzehnt ihrer Geschichte eintreten.
 

Schützen-Abteilung des Eisenbahn-Sportvereins

Als im Jahr 1970 eine Schützenabteilung des Eisenbahn-Sportvereins (zunächst Werdenfels und dann Weilheim) von Anton Wörmann ins Leben gerufen wurde, ahnte noch niemand, wie wichtig die fünf Schießstände im Bahnhof-Untergeschoß für uns Schützen werden sollten. Während der Umbauzeit der Weilheimer Schießstätte von 1979 bis 1981 haben wir bei den Eisenbahnern Asyl erhalten. So konnte der Schießbetrieb aufrechterhalten werden.

Auch die im Jahr 2002 gegründete „Zimmerstutzen-Schützengesellschaft - s' Weilheimer Stiftungskranzl“, die sich dem traditionellen Zimmerstutzen-Schießen verschrieben hat, richtet ihre Schießen bei den Eisenbahnern aus.
Das sind z. B. Freundschaftsschießen mit den niederbayerischen Zimmerbixlern und das jährliche Schießen zu Gunsten des Deutschen Schützenmuseums in Coburg.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass seit der Gründung des Schützengaues Weilheim im Jahre 1922 von den bisher neun Gauschützenmeistern sieben Mitglieder bei Weilheimer Gesellschaften waren oder noch sind.
Ich darf sie namentlich nennen: Konrad Kaspar, Xaver Elender, Ludwig Wiedemann, Xaver Buck, Hans Ferchl, Josef März und Karl Vincenc.
Auch Ottmar Münsterer, Ehrenschützenmeister der FSG Weilheim, war fünf Jahre Gaugeschäftsführer, bevor er dann Verantwortung im Schützenbezirk Oberbayern als 3. Bezirksschützenmeister übernommen hat.

Liebe Mitglieder, verehrte Gäste,

an den Schluss meiner Ausführungen möchte ich noch das Motto einer Scheibe aus dem Jahre 1823 stellen: „Es blühe Freundschaft und herrsche Friede“. Wir haben schon von einem umfangreichen Schriftverkehr gehört, der dann dazu geführt hat, dass die Schützen das Schießhaus eigentümlich überlassen bekamen. Dieser Schriftverkehr ist der Ausdruck jahrelanger Querelen zwischen der Stadt und den Schützen. Die Unstimmigkeiten mit der Stadt waren beseitigt, als im Jahre 1822 das Schießhaus erneuert worden war. Auf dieser Scheibe ist das Haus abgebildet, zudem ein Vertreter der Stadt und ein Schütze (Tafel .

Der Vertreter der Stadt deutet auf den Taubenkobel und sagt: „Ich schenk euch eine blaue Taube“, die vorne auf dem Brett sitzt.

Hinten schleicht sich schon ein Fuchs an, der sagt: „Ich werd die Taube rupfen“. Wir sehen also, dass die zarten Pflänzchen Freundschaft und Friede nicht selbstverständlich gedeihen, sondern gepflegt werden müssen.
Übertragen auf das Jahr 2008 bedeutet dies: Die Weilheimer Schützengesellschaften pflegen ein gedeihliches, freundschaftliches Miteinander. Es gibt auch keine Querelen mit der Stadt. Die Feuerschützen haben ja auch den jeweiligen Bürgermeister als Schützenkommissar, ein   Bindeglied zwischen den Schützen und der Öffentlichkeit.
Und die Öffentlichkeit tut sich aber immer noch schwer, das Schießen als Sport zu betrachten. Auch die Politik tut sich schwer, wie die erst kürzlich erfolgte Waffenrechtsnovellierung zeigt.

Den Nichtschützen unter uns möchte ich deshalb noch folgendes mit auf den Weg geben:
„Kein anderer Sport erfordert eine so ungewöhnliche Selbstdisziplin, eine Fähigkeit der Zusammenfassung geistiger, seelischer und körperlicher Kräfte wie die Bewährung auf dem Schießstand. So ist der Schießsport ein hervorragendes Mittel zur Charakterbildung geworden.“

Das gesamte Schützenwesen, und somit auch das Weilheimer Schützenwesen, lässt sich heute in seiner Vielgestaltigkeit wie folgt zusammenfassen:

„DEM SPORT DIENEN
DIE TRADITION ERHALTEN
DAS BRAUCHTUM PFLEGEN“

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 1Vortrag beim Heimat- und Museumsverein Weilheim und Umgebung e. V. am 10. März 2008

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