Das Vereinsemblem mit dem von Ludwig dem Baiern im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts der Stadt Weilheim verliehenem Wappen

 

Letzte Aktualisierung am
 17.07.2017
(23:00)

Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft
Weilheim
Schützenstraße 28    82362 Weilheim Tel.: 0881/5210
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Bürgerwehr

bei der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) Weilheim

Erste Darstellung der 1822 neu erbauten Schießstätte, 1823(Schützenmuseum Weilheim i. OB)

  Schießabende:  Dienstag und Donnerstag ab 19:00 Uhr   Jugend ab 18:00 Uhr  (Während der Ferien ab 19:00 Uhr)

Die vorhin erwähnte Schützenordnung des Jahres 1796 besagt u. a., dass die Schießstätten bei ihrer Entstehung und seit ihrem bisherigen Dasein den doppelten Endzweck hatten, „daß sich sämmtliche Unterthanen, wessen Standes sie immer seyn mögen, nicht allein zu einer edlen Belustigung im Schießen üben, sondern vorzüglich, daß sie sich auch im nöthigen Falle zu eigener, so wie zu des Vaterlandes Vertheidigung fähig machen können.“ In Weilheim ist und war dies nicht anders.

Abb. 7) Befehlspatent der Herzöge Wilhelm und Ludwig
zur Bildung einer „Bürgerwehr“, 1525

Als im Jahre 1525 schwäbische Bauern plündernd bis Steingaden und Rottenbuch vordringen und das bayerische Land bedrohen, wird auf Befehl der Herzöge Wilhelm und Ludwig auch Weilheim in vier Viertel (daher der Name Stadtviertel) eingeteilt und je einem Hauptmann oder „Viertelmeister“ unterstellt. Damit wird die Weilheimer „Bürgerwehr“ aktenkundig.
Im vierten Viertel finden wir auch Hanns Maler, den Schützen, der im Jahr 1522 von der Stadt für seine Teilnahme am Moosburger Schießen geehrt worden ist.
Weilheimer Schützen werden im Jahre 1703 im Spanischen Erbfolgekrieg am „Steinernen Brücklein“ zwischen Oberau und Farchant eingesetzt.
Von diesem Gefecht und den vorausgegangenen Schanzmaßnahmen berichtet der Weilheimer Bildhauer Ignaz Degler in seinem Tagebuch, einem sog. Handregister, das er von 1689 bis 1722 geführt hat. Ignaz Degler wurde 1666 in Weilheim geboren; er starb im Jahr 1738 ebenfalls in Weilheim.
Übrigens: Ignati Degler war in den Jahren 1718 bis 1721 Schützenmeister der Weilheimer „Ziel- und Pixenschützen“.
Als 23-Jähriger hat er mit seinen Tagebuchaufzeichnungen begonnen, und mit 37 Jahren war er beim Gefecht am „Steinernen Brückl“ als Landwehrschütze beteiligt. Sein Bericht vom 27. August 1703 liest sich wie folgt: „Am Montag in der Frühe bei Anbrechen des Tages haben die Kaiserlichen aus 4 siebenpfündigen Stucken auf die Schanz geschossen, haben aber keinen Schaden gethan, und hätten bey der Schanz nichts ausgerichtet, wenn sie nicht über die Berge gestiegen und uns völlig umringt hätten. Alsdann haben sie von beiden Bergen auf uns in das Thal Feuer gegeben. Die Bauern, so bei der Schanz gestanden, und der Landfahnen von  Abensperg, haben anfangen zu laufen. Hernach seind 8 Compagnien bei der Luisah durchbrochen, lauter Husaren und Dragoner. Was sie haben an-troffen, haben sie niedergemacht und erschossen. 43 seind von uns todt geblieben, bei 80 haben sie gefangen nachher Inspruck geführt, darunter seind von hier 5 Burger und Schützen gewesen, so alle 5 zu Inspruck vor Hunger haben sterben müssen.“

Von diesem Vorfall zeugt auch ein Votivbild in der Weilheimer Friedhofskirche St. Salvator und St. Sebastian (Tafel 6). Die Inschrift lautet:
„Zum Andenken an die braven Bürger und Landwehrschützen, 1. Joseph Erlacher Kupferschmied, 2. Hanns Helfetsrieder Kupferschmied, 3. Andreas Höld Goldschmied, 4. Leopold Renner Maurermeister, 5. Dionys Hohenleitner aus Weilheim, welche im spanischen Erbfolgekrieg am 15. Septh. 1703 (?) bey Ettal von den kaiserlichen Reitern gefangen genommen, u. nach Insbruck geführt wurden, wo sie vom Elende erdrückt, alle 5 im November gestorben.
Gefertigt 1703, renov. 1874“

Mit einer kurfürstlichen Verordnung aus dem Jahr 1767 ist das Ende der Landfahnen alter Ordnung gekommen. Erst wieder 1807 wird „die Uniformierung und Organisation des bürgerlichen Militärs in den Städten, Flecken und Märkten des Königreiches“ geregelt.
Auch in Weilheim konstituiert sich noch im selben Jahr das Königliche Landwehrbataillon. Es besteht aus zwei Kompanien Infanterie und einer Abteilung Kavallerie, zusammen 230 Mann. Die Übungen werden meist an den Samstagen auf dem Exerzierplatz an der Ammer (heute Hochlandhallengelände) abgehalten. Geschossen wird allerdings auf der Schießstätte, wie einem Bericht des Kgl. Landgerichts Weilheim an die Kgl. Regierung des Isarkreises, Kammer des Innern, aus dem Jahre 1828 zu entnehmen ist. Dort heißt es: „... daß die hiesige Schützengilde, obwohl aus der Landwehr-Schützenkompanie und den 20 anderen Mitgliedern bestehend, in Benutzung der hiesigen uralten Schießstätte nur eine Gesellschaft bildet und aus 63 Mitgliedern besteht.“
Bereits nach einer Verordnung vom 6. Juli 1809 war jeder neu angehende Bürger verpflichtet, drei Jahre lang die Schießstätte zu besuchen und sich dort im Scharfschießen zu üben. Der Eintritt in den Kreis der Gemeindebürger war also an die Verpflichtung geknüpft, den Schützengesellschaften beizutreten. Neben den Übungen ist den Gardisten noch ein wichtiges Amt zugewiesen. Als Polizisten haben sie vor allem an den Markttagen für Ordnung und Ruhe zu sorgen. Eine besondere Anerkennung wird der Bürgerwehr zuteil, als ihr König Max II. im Jahre 1858 eine Fahne stiftet. Die Weihe dieser Fahne am 28. August 1858 muss ein sehr festliches Ereignis gewesen sein.

Stadtpfarrer Carl August Böhaimb widmet der Weilheimer Bürgerwehr und der Fahnenweihe im Jahre 1865 mehrere Seiten in seiner Chronik der Stadt Weilheim. Auch seine Rede ist im Weilheimer Wochenblatt Nr. 49 abgedruckt. Die Weilheimer Bürgerwehr kann sich jedoch nur zehn Jahre ihrer Fahne freuen. Die „Landwehr älterer Formation“ wird nämlich zum 1. Januar 1869 aufgelöst.

Abb. 8) Aufruf zur Bewachung des Stadtgebiets
Man beachte, dass der Schützenkommissär zu Zeiten des Freistaates Bayern noch mit „Kgl.“ unterschreibt!

Zweimal muss sich die Bürgerwehr auf den Ernstfall einstellen:
Im Jahre 1809 wird sie erfolgreich an der Tiroler Grenze eingesetzt; 1848 haben die Bürger jedoch nur Bereitschaft, denn die gefürchteten Zusammenstöße finden nicht statt.

Noch einmal, im Jahre 1919, werden Weilheims Feuerschützen zur Bewachung des Stadtgebietes herangezogen, wie ein Aufruf zeigt.

Unter den 321 Mitgliedern der im April 1919 gegründeten Ortswehr oder Einwohnerwehr finden wir naturgemäß auch die Namen vieler Schützen, wie z. B. Hans Ferchl, den Schützenmeister der Kgl. priv. FSG, oder Emil Feilner, den Schützenmeister der im Jahre 1904 gegründeten Schützengesellschaft „Frohsinn“ Weilheim. Darüber später noch mehr.
Willi Simader hat unter dem Titel „Weilheim zur Zeit der Räterepublik – Ortswehr, Bürgerwehr, Einwohnerwehr und die Räte“ im Jahre 1994 eine Dokumentation herausgebracht, die sich u. a. auch auf eine
Chronik der Einwohnerwehr von Major a. D. Eduard von Madroux stützt. Simader bedauert, dass er von dieser Chronik nur eine schwarz-weiß Fotokopie habe.
Die Feuerschützen konnten vor einigen Jahren das Original dieser Chronik für das Schützenmuseum erwerben (Tafel 6).
Sicher ist vielen von Ihnen der Vortrag von Willi Simader über „Weilheim zur Zeit der Räterepublik“, den er am 10. Januar 1994 bei uns gehalten hat, noch in bester Erinnerung.

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