Das Vereinsemblem mit dem von Ludwig dem Baiern im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts der Stadt Weilheim verliehenem Wappen

 

Letzte Aktualisierung am
 17.07.2017
(23:00)

Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft
Weilheim
Schützenstraße 28    82362 Weilheim Tel.: 0881/5210
Email: FSG.Weilheim@t-online.de Home: http://www.FSG-Weilheim.de

Schützen - Tradition

bei der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) Weilheim

Erste Darstellung der 1822 neu erbauten Schießstätte, 1823(Schützenmuseum Weilheim i. OB)

  Schießabende:  Dienstag und Donnerstag ab 19:00 Uhr   Jugend ab 18:00 Uhr  (Während der Ferien ab 19:00 Uhr)

Aus der Schützenzeitung  “Traditionsschießen bei der Kgl. priv. FSG Weilheim”

Aus dem Archiv   “Martinischießen 2012”   Offenes Martinischießen mit dem traditionellen Zimmerstutzen

Martinischießen 2013   Offenes Martinischießen mit dem traditionellen Zimmerstutzen

Die Feuerschützengesellschaft (FSG) Weilheim kann auf eine jahrhundertelange Tradition verweisen.
Intersessante Einblicke bieten alte Rechnungen der Schützen, die seit 1666 fast lückenlos erhalten sind.
Dr. Joachim Heberlein begab sich auf Spurensuche und förderte Erstaunliches zutage:
Unter anderem über das Martinischießen und die Kosten für Brotzeiten bei hohen Besuchen und Beerdigungen.

“3 Gäns samt dem Jung” für 1 Gulden, 30 Kreuzer

Das Martinischießen der FSG Weilheim ist seit über 300 Jahren nachweisbar, dürfte aber noch viel älter sein

Von Dr. Joachim Heberlein       Am Samstag den 11. November fand zum elften Mal das Martinischießen der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Weilheim statt.  Dass dieses jedoch keine Erfindung der jüngeren Vergangenheit ist, beweist ein Blick in alte Schützenrechnungen, die seit 1666 mit einigen Lücken erhalten sind und eine wahre Fundgrube für den Historiker darstellen. Da sie nicht nur Auskunft über die Schießen der Vergangenheit, sondern über manch anderes Interessantes geben, wollen wir heute einmal darin blättern und der lange währenden Weilheimer Schützengeschichte etwas nachspüren.

Doch nehmen wir am Anfang unserer kleinen Reise in die Vergangenheit die Rechnung der „ehrsamen, löblichen, berühmten, getreulichen Brüder und Gesellschaft der Ziel- und Büchsenschützen zu Weilheim“ für das Jahr 1678/79 zur Hand. Darin lesen wir: „An St: Martini von einer löbl. Gesellschaft zu verschießen geben worden 3 fl. (= Gulden, Anm. d. Verf.)“. Somit halten wir hiermit den ersten auf uns gekommenen Nachweis für das Martinischießen in Händen. Dieses dürfte jedoch bereits viel älter sein, kann doch die Feuerschützengesellschaft als ältester Verein Weilheims auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken.
Gründung der FSG
Wann die FSG gegründet wurde, ist nicht mehr zu ermitteln, da durch die mehrfachen Stadtbrände die archivalische Überlieferung zur Frühgeschichte der Stadt verloren gegangen ist. Ob es bereits um 1238, als Weilheim das erste Mal als Stadt erwähnt wurde, oder aber 1382, als die herzoglichen Brüder Stephan und Johann nach einem Stadtbrand den Weilheimern ihre alten „Rechte, Freiheiten und guet Gewohnheiten“ erneuerten, eine Schützenbruderschaft gegeben hat, ist unbekannt. Da mit der Verleihung des Stadtrechts auch das Recht und die Pflicht der Befestigung und der Verteidigung verbunden waren, wird es wohl seit bald 800 Jahren Schützen in Weilheim geben. Jedoch erst mit dem Jahr 1467, als die Weilheimer Schützen Hans Rorwolf, Martin Frey und der Bognergeselle Berchtold zum großen Münchner Armbrustschießen reisten, werden sie archivalisch fassbar.
Teure Brotzeit bei herzöglichem Besuch
Aber nun zurück zu den alten Rechnungen. So wie heute die Gebirgsschützen bei wichtigen Veranstaltungen der Staatsregierung, wie etwa beim Empfang eines ausländischen Staatschefs, zum festlichen Gepränge beitragen, so hatten einst auch Weilheims Schützen diese Aufgabe. In der 1678er Rechnung lesen wir beispielsweise: „Als Ihre Durchlaucht Bischof zu Freising allhier durchgereist, haben die Schützen aufgewartet, und die Doppelhäggen auf der Ringmauer losgebrannt.“ Und als der hohe geistliche Herr, der zugleich Graf von Werdenfels war, drei Jahre darauf erneut in sein Hoheitsgebiet am Fuße der Alpen reiste und durch unsere Stadt kam, reichte man den Schützen 14 Maß Bier, die mit 38 Kreuzern zu Buche schlugen. Teurer kam der Schützengesellschaft die Durchreise „Ihrer Königl. Majestät von Florenz (= Großherzog von Toskana, Anm. d. Verf.)“ im 1690er Jahr zu stehen. Denn man gab „denen Schützen, so dabei 2 Tag mit Gewehr aufgewartet, zu verzehren 1 f. 46 X. (Kreuzer; Anm. d. Verf.)“ Gerade die Ausgaben auf „Zehrung“, also auf die Brotzeit, sind ein regelmäßig wiederkehrender und nicht zu unterschätzender Ausgabenposten. So „verzehrt ein gesamte Gesellschaft nach abgelegter Rechnung“ im Jahr 1680 drei Gulden und 24 Kreuzer. Ignaz Degler, der sich 1692 gegen Erlag von einem Gulden und zehn Kreuzern bei der Schützengesellschaft als Bruder einkaufte und für die Jahre 1718, 1719 und 1721 als Schützenmeister genannt ist, erhielt 1698 für die Statue der Mariensäule die vergleichsweise geringe Summe von 35 Gulden. Man sieht, dass man es sich schon hat gut gehen lassen. Gegen die drei Gulden Verzehrgeld bei der Rechnungslegung nehmen sich die 45 Kreuzer, die man 1680 verzehrte, „als man den gewesten Pflegsverwalter zu Rauchenlechsberg, Herrn Johann Sebastian Wösserer nach seinem Ableiben zur Erde bestattet und eine Gesellschaft der Schützen beigewohnt“ hat, doch recht bescheiden aus. Und als 1689 der Weilheimer Pfleger Anton Graf von Cesana und Colle zur letzten Ruhe bestattet wurde, kam man sogar mit einem halben Gulden aus.
Die Schützen hatten ihre geistliche Heimat in der dem göttlichen Erlöser und St. Sebastian geweihten Friedhofskirche, wo sie alljährlich eine Gedenkmesse lesen ließen und sich zwei Engel und eine große Kerze, die ihr Eigentum waren, befanden. 1681 war es notwendig, dass selbe restauriert wurden. So bezahlte man dem Bürgermeister und Maler Franz Koch dafür, dass er sie „völlig vergoldet und gefasst“ viereinhalb Gulden. Weil ein Englein flügellahm war, wurde ihm von „Heinrich Hagn, Bildhauer, ein Flügel angemacht“. Dieser war mit zehn Kreuzern verhältnismäßig günstig. Über diese Ausgaben hinaus gab es noch eine weitere: „Als man die Kerzen und die zwei Engel herab getan, und solche wiederum aufgemacht wurden, wobei der Maler, Mesner, Schlosser und Bildhauer gewesen, ist verzehrt worden 40 X.“ Alles gemäß dem Motto: „Wer arbeitet, der soll auch essen.“ Zur Ehrenrettung der Alt-Weilheimer Schützen sei aber gesagt, dass sie nicht die einzigen waren, die gerne Brotzeit machten. Denn 1655 bemerkte der Rentmeister des Oberlandes bei seinem Umritt, bei dem er die Rechnungen der Stadt, darunter auch die Spitalrechnungen, kontrollierte: „Was hat es für eine Meinung, wenn man Vieh verkauft, dass man allezeit dabei essen und trinken tut, das lasse man fürderhin nicht mehr passieren.“ Auch die beiden Spitalpfleger, Angehörige des Rates der Stadt, und der Herr Stadt- und Spitalschreiber ließen es sich beizeiten recht gut gehen.

Die Schützen der FSG Weilheim blicken auf eine lange Tradition zurück. Davon zeugt unter anderem die Schützenfahne im Bild oben. Das fotografierte Exemplar stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und geht in ihrer Gestaltung auf die Fahne von 1754 zurück.

Die geistliche Heimat der Schützen ist die Friedhofskirche St. Salvator und St. Sebastian (Bild unten) auf dem weilheimer Betberg. Dort ließen sie alljährlich eine Gedenkmesse lesen.

Eine größere Ausgabe verzeichnet die Rechnung 1682. In diesem Jahr schafften die Schützen eine neue Fahne an und hatten dafür 23 Gulden und 23 Kreuzer auf den Tisch zu legen. Bei Bernhard Fils sel. Erben kaufte man um 18 Gulden 15 Ellen Taft samt Seide. Der Kistler erhielt für die Stange einen halben Kreuzer, während der Schneider als Macherlohn 2 ½ Gulden verbuchen und sein Söhnlein sich über sechs Kreuzer Trinkgeld freuen konnte. Der Bortenwirker Blasius Bader stellte einen Gulden für die nötigen Fransen in Rechnung, der Goldschmied Johann Chrysostomus Baumeister bekam für den Spitz aus Messing 36 und der Maler für die Fassung der Stange neun Kreuzer. Entweder haben die Schützen ihre Fahne recht pfleglich behandelt, oder aber sie war von guter Qualität, denn erst im Jahr 1754 brauchte man eine neue. Sie bestand diesmal aus einem weißen und blauen mit Quasten gezierten Stoff und zeigte auf der Vorderseite das Bild Unserer Lieben Frau von Altötting, während auf der Rückseite der Schützenpatron, der Hl. Sebastian aufgemalt war. Diesmal kam man auch etwas günstiger davon und hatte nur noch 14 Gulden und 25 Kreuzer zu berappen. Unter der Fahne versammelten sich die Schützen immer wieder zu den verschiedensten Anlässen, unter anderem dann, wenn sie an der Fronleichnamsprozession teilnahmen.

Handwerker, Frauen und Geistliche als FSG-Mitglieder
Und wenn man in den Rechnungen die Rubrik „Einnahm an einkauften Schützen, auch Brüder: und Schwestern“ anschaut, so erfahren wir, wer denn bei den Weilheimer Schützen Mitglied war. Da kauften sich 1692 der Färber Johann Giesinger und der Goldschmied Andreas Höldt ein, 1752 erlegte der ledige Metzgerknecht Johannes Koch für seine Aufnahme als Bruder 30 Kreuzer und die Herren Matthias Frieholz, gewester Bierbräu und Herbergsvater, der Schützenwirt also, Niclas Pallauf und der Zinngießer Matthias Landsberger zusammen viereinhalb Gulden. Zwei Jahre später tritt mit Sebastian Loidl gar ein trockner Pfründner des Heilig-Geist-Spitals mit einem Beitrag von 20 Kreuzern als Bruder bei. Die Lindner´schen Brüder Caspar und Andreas, die vom Dirlpauli in der Oberen Stadt stammten, waren ebenso Mitglied wie der Herr Pfleggerichtsoberschreiber Franz Paul Stöger und sein Sohn Anton. Im Schützenbuch war sowohl die Mitgliedschaft des Herrn Leutnant Grepper als auch die des Goldschmieds Adalbert Steigenberger, des Handelsmannes Joseph Vötterl, des Theologiestudenten Johann Berchtold und der beiden Jäger Bartlmä und Jakob Niggl, die in Diensten des Klosters Polling standen, verzeichnet.

Damals wie heute gehörten prominente Bürger den Schützen an.  Ignaz Degler kaufte sich 1692 mit einem Gulden zehn Kreuzern bei den weilheimer Schützen ein, wie die Unterschrift in alten Rechnungen belegt.

Aber es gab nicht nur männliche Mitglieder, wie dieser Eintrag aus dem Jahr 1755 beweist: „So tat sich auch Agatha Pirschlin ledigen Stands von hier für eine Schwester einkaufen gegen zu erlegen gehabten 18 X.“ Mit dem Kapitelbenefiziaten bei St. Ulrich, dem „Wohlehrwürdig in Gott Geistlichen und Wohlgelehrten Herrn Franz Höldt“ und dem 1772 beigetretenen, „Titulierten Herrn Spitalpfarrer Joseph Wendenschlögl“ waren sogar geistliche Herren Mitglied der Weilheimer Schützen.
Aber nicht nur die Einkaufsgelder der Schützenbrüder und –schwestern brachten Geld in die Kasse. Darum seien noch ein paar interessante Einnahmen erwähnt. „1684. Also ist an Herrn Franz Stainhardts, Bürger und Bildhauer allhier, Nachhochzeit ein Schießet gehalten, daher von dem Leggeld in die Laden gelegt worden 12 f.“ Verhielten sich die Schützen auf der Schießstätte, die sich seit mindestens 1569 an der heutigen Stelle befindet, ungebührlich, mussten sie Strafgeld bezahlen. 1764 waren sie scheinbar recht brav, denn die Rechnung vermerkt für dieses Jahr: „Einnahm an Straffgeldern von denen Schützen. Dieweilen sich jeder ganz eingezogen, und ehrbar verhalten, auch weder in Worten, noch Werken einiger Straff sich unterwürfig gemacht, als hat zur Verrechnung gebracht werden können, Nihil. (= nichts; Anm. d. Verf.)“ Damals wie heute umstanden die Schießstätte Bäume, so dass man für 1749 unter „Gemeine Einnahm“ verzeichnen konnte: „Für die dem Schmädl bürgerl. Bildhauern allhier verkaufte Linden ist eingenommen worden 8 f.“ Und damals wie heute, gibt es beim Martinischießen eine Gans als Preis: „1762. An S. Martini Tag für 3 Gäns samt dem Jung ausgelegt 1 f. 30 X.“

 

250 Jahre Schützentradition der Familie Ferchl
Zur Preisverteilung begrüßte Sebastian Ferchl, der seit 2009 als 1. Schützenmeister der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft vorsteht, die Schützen. Vielleicht dachte er dabei dann nicht nur an seinen Großvater und seinen Vater, die von 1911 – 1928, bzw. von 1952 – 1972 Schützenmeister waren, sondern auch an seinen 1740 geborenen und 1812 verstorbenen Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater Caspar Ferchl, Stadtgärtnermeister zu Weilheim. Dieser hatte sich im Jahr 1762 für 24 Kreuzer bei den Schützen eingekauft, so dass die Ferchls als Alt-Weilheimer Familie heuer auf eine 250 Jahre währende Schützentradition zurückblicken können.

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