Das Vereinsemblem mit dem von Ludwig dem Baiern im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts der Stadt Weilheim verliehenem Wappen

 

Letzte Aktualisierung am
 17.07.2017
(23:00)

Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft
Weilheim
Schützenstraße 28    82362 Weilheim Tel.: 0881/5210
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Schützenfeste

bei der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) Weilheim

Erste Darstellung der 1822 neu erbauten Schießstätte, 1823(Schützenmuseum Weilheim i. OB)

  Schießabende:  Dienstag und Donnerstag ab 19:00 Uhr   Jugend ab 18:00 Uhr  (Während der Ferien ab 19:00 Uhr)

Schützenfeste, Schützen auf Reisen

Beim großen Münchner Armbrustschießen im Jahre 1467 finden wir unter 380 Teilnehmern die Weilheimer Schützen
Hans Rorwolf, Berchtold, Pognergesell und Martin Frey.

Ausführlich möchte ich Ihnen aber von einem großen Augsburger Stahlschießen im Jahr 1470 berichten. Die Bezeichnung „Stahlschießen“ leitet sich von der Armbrust mit Stahlbogen ab.

Das Stahlschießen vom Jahr 1470 übertraf an Pracht und Großartigkeit alle bisherigen Schießen.
Bereits am 20. Januar (dem Sebastianitag – Patron der Schützen) wurde mit der Aussendung von 400 Einladungsschreiben begonnen.  Am 5. Juli versammelten sich die Schützen auf dem Rathaus, wo ihnen Malvasier (Süßwein) und Konfekt dargereicht und die Schützenordnung vorgelesen wurde, worauf sie zu den vier Ratsherrn, die mit der Leitung des Ganzen betraut waren, noch vier aus ihrer Mitte wählten. Von da zogen sie mit fliegenden Fahnen zum Schießplatz auf der Rosenau zwischen Wertach und Sinkel.

Die stattliche Schießhütte war 670 Stadtschuh lang und 14 breit (der städt. Werkschuh betrug 29,2 cm). Somit war die Schießhütte 195 m lang und vier Meter breit. Sie war zum Schutz vor Sonnenstrahlen gegen Abend gerichtet. Die Zielwand war schwarz überzogen, die daran befestigten Zirkelblätter waren versilbert und hatten einen Durchmesser von 11,9 Zentimetern.

Auf dem Platz befanden sich noch etwa 30 Zelte und verschiedene Hütten, darunter auch eine Huren- und Bubenhütte. Fünf Flöße und 900 Bretter hatte man zur Zielstatt und den Hütten verwendet.
An dem Schießen nahmen 466 Schützen teil, darunter die Herzöge Christoph und Albrecht von Bayern-München, Graf Otto von Henneberg, etliche Grafen von Montfort, drei Ritter, 66 Augsburger und auch drei Weilheimer.

Man schoss in vier Abteilungen 13 Tage lang von 8 Uhr an bis nachmittags 4 Uhr. Auf jeden Schützen kamen 43 Schüsse. Die Entfernung betrug 125 Schritte.

Täglich wurden zum „Untertrunk“, d. h. als Erfrischung zwischen den Hauptmahlzeiten, 280 Maß Welschwein  mit Käse und Brot ausgegeben.

Am 14. Tag fand zwischen denjenigen, welche die gleiche Zahl von Treffschüssen erreicht hatten, das Schieden oder Stechen statt. Den Hauptpreis von 100 fl. (Gulden) erhielt als der einzige mit 12 Schüssen Urban Schnitzer aus Dinkelsbühl. Ihm fiel auch, da er am öftesten den Zweck getroffen hatte, das mit Kranz und goldener Hafte gezierte Hütlein im Wert von10 fl. zu.
Das zweite Best im Wert von 90 fl. gewinnt mit 11 Schüssen der Weilheimer Hanns Bogner.
Er ist im Schützenbuch auf fol. 13 v unter den Schützen des Herzogs Christoph von München zu finden: „Hanns Bogner von Weylhalm“ (Tafel 1).

Auf fol. 114 v des Schützenbuches befindet sich folgender Eintrag (Tafel 2):

Weylhaym

Leonhardt Bader, oo   (=2 Treffer)

Hanns Rohrwolff, ooo (=3 Treffer)

Dem Schießen folgte ein Nachschießen, das 2 Tage dauerte und von 46 Schützen bestritten wurde.

Es wurde aber nicht nur geschossen, sondern auch getanzt. Ebenso wurden fröhliche Spiele durchgeführt. Zum Beispiel erhielten die besten Läufer, Springer und Steinstoßer 4 fl. Diese Wettspiele wurden an verschiedenen Nachmittagen nach Beendigung des Schießens abgehalten. Am schnellsten durchlief die 350 Schritte lange Bahn Herzog Christoph, der auch beim Springen als Sieger hervorging. Pferderennen, Lanzenstechen und Kegeln ergänzten die Lustbarkeiten. Ein besonders einträgliches Geschäft für den Rat der Stadt Augsburg war die Errichtung eines Glückshafens auf einem erhöhten Platz vor dem Rathaus.

Dazu muss man wissen, dass sich die Städte und Märkte die Schützenfahrten ihrer Bürger einiges kosten lassen. Sie bezahlen Reise- und Zehrgeld; die gewonnenen Preise (Abenteuer genannt) fallen jedoch nicht dem Gewinner, sondern der Stadt oder dem Markt zu.

Der ersten im Weilheimer Stadtarchiv erhaltenen Stadtkammerrechnung des Jahres 1522 entnehmen wir: „Item dem Hanns maler zu erung geben, als er gen moßburg auf das schießen ist zogen“.
Er bekommt dafür einen Gulden aus der Stadtkasse.

Abb. 1) Stadtkammerrechnung 1522

Im Jahr 1567 fand wieder ein bedeutendes Schützenfest in Augsburg statt.
Der gedruckte Schützenbrief vom 29. Juli 1567 beruft zu dem „von Freundschaft und guter Nachbarschaft wegen“ angestellten Stahlschießen die Schützen auf Montag, den 6. Oktober, nach der Schießhütte der Stahlschützen zur Neunerwahl.
An dem Schießen nahmen 436 Schützen, darunter 295 Fremde, teil .
Im Schießbuch ist auf Seite 16 vermerkt:

„Das dritt Vierttel under dem weissen Fannen“

Hier sind auf Seite 17 links Weilheimer Schützen aufgeführt:

                     Nr. 21   Die von Weylhaim
                     Nr. 22  Jörg Vogel
                     Nr. 23  Christoff Vogel
                     Nr. 24  Bongratz Henigler

Ein weiterer Weilheimer Schütze ist auf Seite 28 links vermerkt:

                     Nr. 45 Vest Koch von Weylhaim

Er hat im fünften Viertel geschossen, das auf Seite 20 wie folgt aufgeführt ist: „Das fünfft Vierttel under dem gelben Fannen“

Zehn Jahre später, also im Jahr 1577, begegnen uns wieder vier Weilheimer Schützen bei einem großen Armbrust- und Büchsenschießen, dieses Mal in München. Vom Pritschenmeister und Gelegenheitsdichter Lienhard Lutz (auch Fläxel genannt) gibt es eine prächtig illustrierte Handschrift mit dem Titel „Lobspruch des Großen Schießens zu München anno  1577“, die uns über den Verlauf unterrichtet, und deren Illustrationen uns die Wappen der teilnehmenden Städte, das Gepränge der Festzüge und die Kostüme der mitwirkenden Zieler, Fahnenträger und Musikanten überliefern.

Die Bilder stammen von Lienhards Sohn Valentin. Das Stadtarchiv München hat im Jahr 2006 eine Faksimile-Ausgabe dieser Handschrift herausgebracht, so dass es mir möglich ist, hier einige Seiten zu zeigen, darunter auch die Seite mit den Weilheimer Büchsenschützen
   Caspar Schwaller, Sewastian Grilhaiß, Sewastian Miller zum Hag und Hans Schmid zum Kerla (Tafel 3).
Und der Stadtkammerrechnung ist zu entnehmen, dass der ehrsame Rat für diese Schützenfahrt vier Gulden bezahlt hat.
Da nur Büchsenschützen in München waren, können wir daraus schließen, dass zu diesem Zeitpunkt die Armbrust auch in Weilheim keine Bedeutung mehr hatte.

Nun möchte ich Ihnen noch zwei Institutionen näher bringen, die bei den Schützenfesten eine wichtige Rolle gespielt haben.
Da ist zunächst der Pritschenmeister:

Die wichtigste Rolle in der Festordnung spielte der „Pritschenmeister“. Er musste recht vielseitig begabt sein: Maître de plaisir, Aufsichtsbeamter, Straforgan, Zeremonienmeister, Schriftführer und Stegreifdichter, Festredner und Possenreißer in einem. Seinen Namen hatte er von der aus dünnen Holz- oder Lederschichten gefügten Pritsche, mit der er schlechte Schützen züchtigte oder an Ordnungssünder Schläge austeilte (Kasperl Larivari).

Gekleidet war der Pritschenmeister in der grellfarbenen Festtracht nach Landsknechtart, auch Mi-Parti-Stil genannt. Bei dieser „Halbteilung“ wird durch zwei unterschiedliche Farben die Kleidung der Länge nach geteilt, so dass jede Körperhälfte in eine andere Farbe gehüllt ist.

Der Pritschenmeister hatte mit Witz und Laune, aber auch mit Anstand und Geschick die Festlichkeit zu würzen, den Schießablauf zu regeln und mit den Gehilfen zu überwachen. Und von dem wohl berühmtesten Pritschenmeister haben wir schon gehört: Vom Augsburger Lienhard Fläxl.
Bleibt noch nachzutragen, dass seine Handschrift vom Münchner Schießen des Jahres 1577 Eintausendfünfhundert Reimzeilen umfasst!

Wenn wir das so bedenken, möchte man sich für manch heutige Veranstaltung wieder einen Pritschenmeister wünschen!

Nun zur zweiten Institutionen, dem Amt der Siebener:

Bei jedem Schützenfest wurde ein Festausschuss gewählt, der die Aufsicht über das Schießen zu führen hatte. Dieser Ausschuss, die „Siebener“ oder „Neuner“ (wie beim Schießen 1470 in Augsburg) genannt, auch wenn er sich aus acht, elf oder dreizehn Personen zusammensetzte, war mit großen Vollmachten ausgestattet. Seinen Anordnungen musste stets Folge geleistet werden, und bei Streitigkeiten war seine Entscheidung endgültig.
Ein Chronist beschreibt das Amt darüber hinaus noch folgendermaßen:
Alt und allgemein war das Amt der Siebener, der sieben Schützen, welche die Einsätze und Gewinne zu ordnen, die Schüsse an zwei Scheiben abzumessen und die Berechnung und Verteilung des Trunks an die Schützen zu besorgen haben.
Wir fragen uns natürlich, wo kommen die Siebener her? Warum sieben?
Sie entspringen mittelalterlichen Rechtsordnungen. Sie hatten die Flurgrenzen zu überwachen und Streitigkeiten um Grundstücksgrenzen beizulegen, wie es z. B. im Volkacher Salbuch von 1504 niedergeschrieben ist.
Sieben ist auch eine heilige und mythische Zahl (sieben Sakramente, siebenarmiger Leuchter, die Erschaffung der Welt in sieben Tagen, sieben Hauptsünden, aber auch der Wolf und die sieben Geißlein, Schneewittchen und die sieben Zwerge hinter den sieben Bergen usw. usw.).

Nun aber wieder zurück zu Weilheim:

Im Jahre 1589 wird der Bäcker Hans Karl besonders geehrt, weil er beim wasserburgischen Schießen „das Best“ gewonnen hat. Ihm wird für dieses Jahr die Steuer erlassen; außerdem bekommt er einen Gulden, einen Kreuzer, zwölf Pfennige verehrt.

Weiter ist im Jahr 1589 verzeichnet: „Als Ir fürstliche Durchlaucht eylf Schützenmaister nach Maylandt verschickt, Inen aus befelch eines Ehrsamen Raths verehrt 3 fl.“ Für damalige Verhältnisse war das sicher eine beschwerliche Reise. Und warum nur 3 Gulden verehrt wurden, erklärt sich aus der Tatsache, dass die Weilheimer Schützen vom Landesherrn nach Mailand geschickt wurden und dieser damit die Hauptlast der Reise übernommen hat.

405 Jahre später, im Juli 1994, wird die Weilheimer Schützin Bettina Knells Mannschaftsweltmeisterin in Mailand!

Im Jahr 1599 können wir lesen: Auf Befehl eines ehrsamen Rates bekommen die Schützen Georg Schwäller, Hanns Schwäller und Gabriel Gebhart zum Schießen des Pflegers von Schongau 6 Gulden zur Wegzehrung.

Der Stadtkammerrechnung des Jahres 1617 entnehmen wir folgenden Eintrag: „Als Herr Pfleger von Werdenfelß eine Gesellschaft der Pixenschützen zu einem Schießet geladen, haben sy bey einem Ersamen Rat um eine Zerung und Löggelt gebeten, ist damalen ihnen dreyen geben worden – 6 Gulden.
Aber auch auswärtige Schützen werden in Weilheim als Gäste bewirtet. Im Jahre 1524 sind Schongauer Schützen zu Besuch in der Stadt. Sie erhaltenen fünf Maß Wein.
Für den 9. August 1782 ist „eine löbliche Schützengesellschaft zu Weilheim“ zu einem Hauptschießen in die kaiserlich freie Reichsstadt Augsburg eingeladen. Das Einladungsschreiben hat sich erhalten. Ob Weilheimer teilgenommen haben, konnte noch nicht festgestellt werden.
Im Jahr 1862 beteiligen sich Weilheimer Schützen erfolgreich am Ersten Deutschen Schützenfest (Bundesschießen) in Frankfurt am Main, wie ein schöner Pokal beweist.

Abb. 2) Pokal des Bundesschießens 1862,
Schützenmuseum Weilheim i. OB

Zum VII. Deutschen Bundesschießen 1881 fahren zwanzig Weilheimer Feuerschützen mit dem Zug nach München; elf von ihnen können Preise erringen. Auch der Chorregent und Musikdirektor des Liederkranzes, Max Kormann, ist mit 50 Mark in bar unter den Preisträgern. Eine Scheibe, gefertigt von dem Weilheimer Maler und Lithographen Anton Lehning, ein Fahnenband, Festzeitungen, die Schießordnung und vieles mehr erinnern im Schützenmuseum an dieses große Schießen.

Zur Vorbereitung auf das 15. Deutsche Bundesschießen 1906 in München errichten die Weilheimer Feuerschützen eigens einen Stand auf 175 Meter.

Auch das 18. Deutsche Bundesschießen im Jahre 1927 wird von sechs Weilheimer Feuerschützen besucht (mit dabei ist als Jungschütze Hans Ferchl). Ferner sind bei den Bundesschießen in den Jahren 1934 in Leipzig und 1961 in München Weilheimer Schützen am Stand.

Jetzt haben wir von den reiselustigen Weilheimer Schützen gehört. Zu einem ganz besonderen Schießen wollten sie allerdings nicht fahren. Dr. Hans Rid schildert dies in seinem Buch „Aus Weilheims Vergangenheit“ folgendermaßen:

Am 19. September 1810 flatterte auf den Tisch des damaligen Weilheimer Communal-Administrators von Lachenmayer, des von der Regierung bestellten Amtsbürgermeisters, eine Einladung von der Schützengesellschaft München (gemeint ist die heutige HSG). In dem überschwänglichen Ton der damaligen Zeit hieß es da:

„Unsern Durchlauchtigsten, Allgeliebten Kronprinzen im höchsten Grade glücklich zu sehen, war von jeher der allgemein innigste Wunsch der dankbaren Nation für Höchstdesselben Großtaten zum Ruhm und Glück des Vaterlandes. Dieser Wunsch ist erfüllt. Unser allgeliebter Kronprinz vermählt sich am 12. Oktober mit der Durchlauchtigsten Prinzessin Theresia von Sachsen-Hildburghausen. Der Held vermählt sich mit der Tugend und Schönheit. Welch schöne hoffnungsvolle Aussicht für das Vaterland! Der Tag der Vermählung ist in jeder Hinsicht ein feierliches, herzliches, großes National-Fest. Um es nach Möglichkeit in der Hauptstadt unter den Augen der Höchsten Glücklichen zu feiern, unser Hochgefühl mit der dem Gegenstand angemessenen Würde auszudrücken, gibt die hiesige Schützengesellschaft den 12. Oktober nachstehende Gewinnste.“

Nun folgen die Bedingungen für die Schützen auf Haupt-, Kranz- und Glücksscheibe sowie auf den laufenden Hirschen, wobei mitgeteilt wird, dass die Scheiben weiß und mit einem 12 Zoll großen Schwarzen versehen seine und auf 150 Schritte Entfernung stünden. Der Schluss der Einladung lautet dann:
„Überzeugt, daß an diesem festlichen Tage jedes Baiernherz hochschlägt, jedes den schönen patriotischen Wunsch hat, es mit verherrlichen zu helfen, geben wir uns die Ehre, Sie hiezu einzuladen und freuen uns im voraus ihrer patriotischen Theilnahme.
München, den 19. September 1810
Verordnete Schützenmeister.“

Die Einladung war für die Weilheimer zwar sehr ehrenvoll, aber doch schüttelten die beiden Schützenmeister, der Rentamtssschreiber Neumayr und der Ziegler Reiner, den Kopf, denn sie kamen um die Tatsache nicht herum, daß eine Abordnung nach München allzuviel Geld koste. Da wusste nun der Administrator v. Lachenmayer guten Rat. Warum sollten nicht die Weilheimer selbst ein Schützenfest veranstalten, man feierte ja doch auch in Weilheim den großen Tag, und dazu war ein Freudenschießet gerade recht. Die Würde seines Vaters, des alten Landrichters, gestattete es dem Administrator, mit den Honoratioren Weilheims zur Durchführung dieser Idee erfolgreich zu verhandeln.

Zur Finanzierung dieses Schießens wurde bei der Nationalgarde, also der Bürgerwehr und bei den königlichen Beamten, um freiwillige Beiträge gebeten. Im ganzen kamen dabei 90 fl. 18 kr. zusammen. Aber das reichte bei weitem nicht aus zur Bestreitung aller Kosten, denn die Gesamtausgaben zu diesem Feste betrugen 204 fl., es war also noch ein Rest von 114 fl. zu decken. Den übernahm die Stadt, „weil eine Deputation nach München das nämliche gekostet hätte“, so die Begründung.
Der Festplatz war natürlich bei der Weilheimer Schießstätte.
Wozu hat man nun die großen Kosten von 204 fl. benötigt? Darauf gibt eine Rechnung „über das auf sonderbares Verlangen des K. Landgerichtes und der 3. Nationalgarde gehaltene Freyschießen auf die Vermählung unseres allgeliebten Kronprinzen“ Antwort.

Daraus einige Auszüge:
Der Schreiner Pröbstl machte für 32 fl. neue Scheiben. Der Zimmermeister Paul Scheut lieferte Holz für 18 fl., dazu forderte er für seine Leute einen Arbeitslohn von 37 fl. Nägel lieferte der Ottmar Hingelle für 12 fl. und für das Daxfahren verlangte der Mathias Schlaucher 3 fl.
Das „Einrücken des Festes in die Zeitung“ kostete 2 fl. und 3200 gedruckte Zettel wurden für 10 fl. geliefert.
Die Trinkgelder flossen besonders reichlich. So erhielten die Scheibenschreiber und ein Schützenmeister 13 fl., die zwei Zieler und sechs Zettelträger bekamen 18 fl. Die Musikanten, die „Aufzüge blasen, wenn auf dem Haupt die Maschine geweckt wird“, empfingen 18 fl. usw. Nur die Polizeidiener gingen leer aus. Sie hatten bescheiden für ihre Mehrarbeit zur Aufrechterhaltung der Ordnung ein „kleines Douceur“ verlangt, aber die Schützenlade hatte nichts für sie übrig!

Die vier Festtage sind nach allem reibungslos und programmgemäß verlaufen, aber nach dem Feste kamen sich der Administrator und die beiden Schützenmeister bei der Ordnung der Finanzen etwas in die Haare. Der Lachenmayer verlangte, dass die Schützen die übrig gebliebenen 13 Scheiben, die Tische und Stühle und noch manch anderes, das aus dem Stadtsäckel bezahlt worden war, ablösen sollten. Dazu konnten sich aber die Schützen nicht verstehen, denn sie hatten ja „ihre Schießstätte und deren Einrichtungen beim Feste zur Verfügung gestellt“. Man scheint sich doch bald geeinigt zu haben, denn die Akten berichten hierüber nichts weiteres.
Die Münchner haben also ihr großes Hochzeitsschießen damals ohne die Weilheimer abgehalten. Es wurde vor München auf jener Wiese durchgeführt, die später nach der königlichen Braut Theresienwiese benannt wurde.
Das Festschießen hat aber dort so gefallen, dass man es zwei Jahre später im Oktober 1812 mit Eingliederung einer landwirtschaftlichen Ausstellung und eines Pferderennens wiederholte und von da ab alljährlich bis heute: Es wurde das Münchner Oktoberfest, und Weilheim hatte ein weiteres Weilheimer Stückl, denn für die 204 fl. hätten viele Schützen nach München reisen können - und Arbeit hätten sie auch keine gehabt.
Und 25 Jahre später, zur Silberhochzeit, war dann Weilheim mit einem Festwagen in München. Seit dem Jahr 1985 gibt es einen Nachbau dieses Wagens, mit dem der Heimat- und Trachtenverein Weilheim so alle vier Jahre beim Oktoberfest Trachten- und Schützenzug dabei ist.

Bleibt noch nachzutragen:
Weilheims Spitzenschützen wie z. B. Bettina Knells (Pfeffermann), Ursula Graf (Plötz), Lisi Stainer, Hannes Hirschvogel, Hermann Plötz und Sebastian Ferchl waren auch in den letzten Jahrzehnten mit großem Erfolg bei nationalen und internationalen Wettkämpfen auf Reisen!
Aktuelle Deutsche Meisterinnen sind die für die FSG Weilheim startende Ausnahmeschützin Petra Horneber in den Disziplinen Kleinkaliber Liegend und Sportgewehr 3 x 20 Schuss und Ursula Plötz mit der Armbrust 30 Meter.

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