Das Vereinsemblem mit dem von Ludwig dem Baiern im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts der Stadt Weilheim verliehenem Wappen

 

Letzte Aktualisierung am
 17.07.2017
(23:00)

Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft
Weilheim
Schützenstraße 28    82362 Weilheim Tel.: 0881/5210
Email: FSG.Weilheim@t-online.de Home: http://www.FSG-Weilheim.de

Schützenscheiben

bei der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft (FSG) Weilheim

Erste Darstellung der 1822 neu erbauten Schießstätte, 1823(Schützenmuseum Weilheim i. OB)

  Schießabende:  Dienstag und Donnerstag ab 19:00 Uhr   Jugend ab 18:00 Uhr  (Während der Ferien ab 19:00 Uhr)

Mit zum wertvollsten Besitz der Weilheimer Schützengesellschaften gehören die Schützenscheiben, die jeweils Zeitzeugnisse ersten Ranges darstellen.
In der Weilheimer Schießstätte befinden sich Scheiben aus der Zeit ab 1740/1750. Neben allegorischen Darstellungen, Bildnissen verdienter Schützen und Jagdszenen sind Scheiben zu sehen, die zu runden Geburtstagen, Hochzeiten, zum Einstand oder Abschied von Schützenkommissaren oder Schützenjubiläen gestiftet wurden.

Besonders aufschlussreich sind Scheiben mit Stadtansichten oder der Darstellung von Personen in der jeweils typischen Kleidung. Auch die Baugeschichte der Schießstätte vom Jahr 1822 an bis heute ist auf Scheiben dokumentiert, wie wir z. T. schon gesehen haben.

Als Scheibenmaler sind vor allem zu nennen:
Anton Lehning, Lithograph und Zeichnungslehrer (1819 - 1889), Georg Franz (1879 – 1949), Walter Lindner sen. (1880 – 1932), Heinrich Schleich (1909 – 1984), Sepp März (1924 – 1995), Paul Schäfer (1900 - 1965), Fritz Taubert (1900 - 1980), Walter Lindner jun. (1907 - 1998), Ludwig Strehle, Elisabeth Wiedemann-Scherr, Ingrid Mayr und Emil Heidenberger.
Die Frohsinn-Schützen, die Schützengesellschaft und die Eisenbahner-Schützen werden es mir verzeihen, wenn ich nun noch zwei Scheiben aus dem Besitz der FSG näher betrachte.
Da ist zunächst eine Scheibe aus dem Jahre 1803, die ein Stück Agrargeschichte erzählt. Der Text lautet:

„Da treibt hinein, zernichtet sie! Mit Ochsen Pferde Schaaf und Küh,
Hühmit auch nicht  geringste Spur
Nicht übrig bleibt von Kleekultur.

So sprachen sie, die Führer heuer
Izt kommt der stolze Frevel theuer!
Fiel ihnen der Gedanke ein,
Mehr als d'Regierung selbst zu seyn.“

Dargestellt sind die Gemeindehirten, die das Vieh mit Goaßln in ein abgezäuntes Kleefeld treiben. Der Hinweis auf den Strohschab rechts, das Weideverbots-Zeichen, ist vergeblich.
Wohl nicht zufällig wurde der Strohschab als Zentrum des Schützenziels gewählt. Es symbolisierte damals für viele Bauern – und zwar vornehmlich für die besser situierten – einen Akt Münchner Willkür-Politik. In jenen Jahren wurden in Altbayern große Teile des früheren Gemeindelandes zwangsweise privatisiert und zugleich der Weidetrieb verboten. Man wollte damit der Bebauung des Brachfeldes mit Klee und Kartoffeln und der Einführung der Stallfütterung Vorschub leisten. Jedoch stieß diese Art von brachialer Reformpolitik auf große praktische Probleme.
Auch aus Ingolstadt ist bekannt, dass das Weideverbot zu massivem Widerstand führte, der sogar bis zur Entsendung von Militär in die Dörfer eskalierte.

Eine weitere Scheibe aus dem Jahre 1833 will ich beschreiben, weil auch das Schießprogramm vorhanden ist. Dort heißt es:
„Am 12 ten und 13 ten May 1833 gab die hiesige Schützengesellschaft wegen der glücklichen
Landung und Thronbesteigung seiner Majestät König Otto I. von Griechenland, königlich bayerischer Prinz, ein Freudenschießen mit nachstehenden Beßten:“
Nun folgt die Aufzählung der Scheibengattungen Haupt und Glück mit den Gewinnen und der Einlage, die zu bezahlen war.
Eigens ist die Ehrenscheibe mit dem Bildnis seiner Majestät des Königs Otto samt einer Fahne genannt.

Weiter ist zu lesen:
„Auf dem Haupte darf ein allenfallsiger Fehlschuß zu 16 kr., auf dem Glück Nr. 1 hingegen können 60 Schüsse a 6 kr. gekauft werden.
Auf der Ehrenscheibe, welche gemahlt ist, darf ein einziger Schuß gemacht, u. wenn wider Verhoffen die Scheibe gefehlt würde, kein Schuß gekauft werden.
Der Anfang des Schießens ist, nachdem der feyerliche Auszug auf die Schießstätte Mittags 12 Uhr geschehen ist, dauert bis Abends 7 Uhr, wird am 13 ten May um 11 Uhr Vormittags wieder fortgesetzt, und muß Abends 6 Uhr abgeschlossen seyn.
Hierauf wird sogleich zum Abziehen der Scheiben und Repartition der Gewinnste geschritten.
Bemerkt wird hier noch, daß am 13 ten May Nachmittags 4 Uhr sowohl die letzten Leggelder angenommen, als die letzten Kaufschüsse abgegeben werden.“
Das Schießen wird von insgesamt 22 Schützen besucht, wobei nicht unter dem Namen, sondern mit einer Devise geschossen wurde.

Dazu einige Beispiele:

Name der Herren Schützen                                 Devise
Tit. Herr Dr. Bauer                                                Ottos Glück und Dauer
Tit. Asessor von Nagel                                         Ludwig und Otto
Herr Bernbacher                                                    Mein Wunsch dein Glück
Herr Schweizer                                                       Es lebe Otto I.
Herr Lautenbacher                                                Vivat Otto
Herr Koch                                                                Bayern lieben dich
Herr Reiner                                                            Glückliche Ankunft
Herr Schmid                                                          Das ist schön
Herr Zahler                                                            Wanns nur kracht
Herr Schmid                                                          Fall um

Die Verteilung der Gewinnste auf dem Glück Nr. 1 weist 266 Preise auf; beim Glück Nr. 2 sind 63 Preise verzeichnet. Die Ehrenscheibe gewinnt der Schütze mit der Devise „Wanns nur kracht“ also Herr Zahler.

Im Schießbuch sind ferner noch 592 Kaufschüsse eingetragen und der Zusatz „bey Vertheilung der Gewinnste zeigte sich ein Abgang von 55 kr., welches hier bemerkt wird.“

Beschreibung der Ehrenscheibe:
Zu sehen ist der jugendliche Otto im Krönungsornat mit Königskrone, in der rechten Hand das Zepter; mit der linken weckt er einen alten Mann (das alte Griechenland) auf, der vor antiken Ruinen schläft. Davor liegen dicke Bücher, wohl auf die griechischen Philosophen hindeutend. Hermes, der griechische Götterbote, überbringt einen versiegelten Brief, während Fama in der Scheibenmitte mit Posaunenschall die Ankunft Ottos verkündet. Im Hintergrund befindet sich ein Segelschiff mit bayerischen Soldaten. In den Wolken thronen Apollo, der Gott der Wahrheit und Musik, Demeter, Göttin der Erde und des Getreides und Athene, Göttin von Krieg und Weisheit (Tafel 7).

Der geschichtliche Hintergrund:
Prinz Otto (1815 bis 1867), der zweite Sohn Ludwig I., wird im Jahre 1832 von England, Frankreich und Russland mit Zustimmung der griechischen Nationalversammlung als griechischer König gewählt. Am 30. Januar 1833 landet er mit einer 43 Segel starken Flotte, seinem Gefolge und seinen Truppen bei Nauplia. Diese Szene ist auf dieser Scheibe dargestellt.

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