30-jähriges Bestehen des Schützenmuseums
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Schützenmuseums der FSG Weilheim ehrt die Schützengesellschaft die Gründer des Museums mit einer Sonderausstellung „Die Einwohnerwehr Bayern 1919 – 1921 in Weilheim und dem Oberland“.

Gezeigt werden Exponate der Mitglieder der Einwohnerwehr Bayern und der Schützengesellschaft, die dem Aufruf der bayerischen Regierung und örtlichen Behörden folgend, in einer Zeit wirtschaftlicher Not und einem unübersichtlichen Gefüge aus revolutionären und konterrevolutionären Kräften, Leib, Leben und Eigentum der Weilheimer Bürger zu schützen wussten.
Im süddeutschen Raum herrschte im Frühjahr 1919 ein Sicherheitsvakuum, kommunistische Verbände aus München rückten über Starnberg und Wolfratshausen Richtung Oberland vor. Die regulären Sicherheitsorgane wie die Gendarmerie oder Ortspolizei waren vielerorts nicht einsatzfähig, schlecht bewaffnet oder personell überfordert. In dieser Lage begannen Gemeinden von Garmisch über Murnau bis Weilheim mit dem Aufbau lokaler Selbstschutzformationen – zunächst als „Volkswehr“, später dann als „Ortswehren“, und nach ihrer staatlichen Anerkennung, als „Einwohnerwehren“ bezeichnet.

Die Mitgliedschaft unterlag strengen Kriterien und war als Ehrenamt in der Regel unentgeltlich, die Ausnahmen waren konkrete militärische Operationen in Kooperation mit der Reichswehr.
Weilheim und das Oberland: Entstehung der Ortswehr
Die Einwohnerwehr Weilheim handelte in enger Abstimmung mit Bezirksamt und Stadtverwaltung, sie war keine stehende Einheit, sondern wurde im Bedarfsfall aktiviert und mit klarer Auftragslage eingesetzt.


Sie war keine militärische Organisation, sondern ein privatrechtlicher Verein, die Mitglieder waren Freiwillige, sie waren bewaffnet mit Gewehren des Typs Mauser 98 sowie Pistolen Luger 08 Parabellum (wie in der Vitrine ausgestellt) aus Armeebeständen.


Die Mitglieder trugen jedoch keine Uniformen aber Armbinden (siehe Exponat). Lediglich zum Schutz des Kopfes fanden die Stahlhelme M16 aus Kriegsbeständen Verwendung, ein besonders gut erhaltenes Exemplar befindet sich als Leihgabe während der Sonderausstellung ebenfalls im Museum.
Die Führung der Einwohnerwehr wurde von ihren Mitgliedern demokratisch gewählt, sicherlich auch unter den Aspekten von Kampf- und Führungserfahrung, Organisationstalent und Akzeptanz in der Bevölkerung. Zu ihren Kernaufgaben gehörte die Überwachung des Ortsgebiets, Sicherung öffentlicher Gebäude, Nachtstreifen, Autokontrollen zur Bekämpfung von Schiebereien, Überwachung von Transportwegen sowie punktuelle Unterstützung übergeordneter Behörden.
In Bayern bestätigte die Regierung Dr. von Kahr die Einwohnerwehren als wichtige Ordnungskraft mit klarem Auftrag:
- Die Sicherung der Verfassung
- Der Schutz von Person, Arbeit und Eigentum
- Die Erhaltung des Deutschen Reiches und Ablehnung jeglicher Abtrennungsbestrebungen
- Die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung und Abwehr jedes Links- und Rechtsputsches

Die Feuerschützengesellschaft (FSG) war ein Teil des personellen Rückgrats der Einwohnerwehr und stellte ihre Infrastruktur bereitwillig zur Verfügung.
Die Schießstatt wurde zu Übungszwecken genutzt, sicherlich dienten auch die übrigen Räumlichkeiten der Unterstützung des Auftrages der Einwohnerwehr Weilheim, die Sachkenntnis der erfahrenen Schützen und Büchsenmacher dürfte für Wartung, Materialpflege und Reparaturen gerne herangezogen worden sein. Die Chronik der Einwohnerwehr erwähnt als freudiges Ereignis die Übungsschießen am Scheibenstand der Gesellschaft „…“…welche in dankenswerter Weise ihren Platz zur Verfügung stellte…” (E. V. Madroux „Die Chronik der Einwohnerwehr“ (1921))
Auch wurde ein Grundstückskauf der FSG durch die Stadt Weilheim im April 1920 mit 50% aus dem städtischen Budget subventioniert, begründet mit der intensiven Nutzung der Schießbahnen durch die Einwohnerwehr.

Das 2.Gauschießen der Einwohnerwehren Bayern wurde ebenfalls auf dem Gelände der FSG ausgerichtet, vom 22. – 24.05.1920, um die 900 Teilnehmer nebst zahlreichen prominenten Ehrengästen verzeichnet die Chronik in Übereinstimmung mit dem Auszug aus dem Sitzungsprotokoll des Stadtrats Weilheim. Das sich anschließende Landesschießen in München vom 25.–30. September 1920 war ein weiterer Erfolg der Weilheimer Schützen, der damalige 1. Schützenmeister Hans Ferchl wurde mit einer Urkunde für seine sportliche Leistung besonders gelobt. Beide Ereignisse stärkten die regionale Vernetzung der Einwohnerwehr Weilheim und die Verankerung im örtlichen Schützenwesen.
Auflösung 1921 – Versailler Druck und lokale Schlußfolgerungen
Unter dem Druck des Versailler Vertrags und der Interalliierten Militär-Kontrollkommission (IMKK) war die Reichsregierung gezwungen, die Auflösung sämtlicher Selbstschutzverbände voranzutreiben, wobei Bayern an den Einwohnerwehren so lange es irgendwie möglich war festhielt. So wurden die EWB als „staatliche“ Ordnungsmacht legitimiert, ohne deren Zutun anarchistische Zustände ausbrechen würden und Gefahr für Leib, Leben, Hab und Gut der Bevölkerung die Tagesordnung bestimmen würde. Durch dieses Taktieren gelang ein Herauszögern der Waffenabgabe und Auflösung, die bis zum 31.12.1920 bereits erfolgt hätte sein sollen, bis in den Frühsommer 1921.
Im Juni 1921 war die Auflösung der Einwohnerwehr Bayern dann endgültig vollzogen. Auch in Weilheim verlief dieser Prozess geordnet, wenn auch sehr emotional. So fand am 08.06.1921 wohl eine letzte, öffentliche Versammlung der EWB Weilheim statt, bei der nochmals die Bedeutung, die Wertschätzung und der Zusammenhalt heraufbeschworen wurde.

Danksagung und die Chronik von Eduard von Madroux 1921
Die zum Abschluss entstandene Chronik der Einwohnerwehr Weilheim, verfasst von Major a.D. Eduard von Madroux ist ebenfalls in der Ausstellung im Original zu besichtigen, sie würdigt Engagement, Organisation und Bedeutung der Einwohnerwehr mit besonderer Berücksichtigung der Rolle der FSG während dieser Zeit und gilt heute als zentrale lokale Quelle zur Aufarbeitung der Ereignisse dieses hochdynamischen Zeitabschnitts.
Das Museum der FSG freut sich auf die Zusammenarbeit mit dem Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) in Regensburg anlässlich der Ausstellung „Brennpunkt – Bayern – Hitler und der Kampf um die Demokratie“ (geplant Juli 2026 – August 2027 in Regensburg). Die Ausstellung schließt direkt an die Forschungsergebnisse des Vortragsabends an und erweitert das Bild der Ereignisse in Bayern ab dem Jahr 1923. Das Museum wird als Leihgabe die Schützenscheibe „Die letzten Patronen“ des Weilheimer Malers Georg Franz (1915) für die Dauer der Ausstellung zur Verfügung stellen.
